
Drei UTVs, drei Konzepte: Der Can-Am Traxter XU HD10 trifft auf den ODES Workcross 1000 und den TGB Landmax 1000. Der kanadische Dauerläufer bringt jede Menge Erfahrung mit, der ODES will mit viel Ausstattung zum Kampfpreis punkten und der TGB positioniert sich als vielseitiger Allrounder.
Das UTV-Segment wächst rasant. Die mobilen Tausendsassas erfreuen sich hoher Beliebtheit in der Szene. Versprechen doch vor allem die Maschinen mit einem Liter Hubraum Kraft, Zuverlässigkeit und Geländegängigkeit. Für Arbeit, Sport und Spiel – je nach Gusto des Besitzers. Für diesen
Vergleich haben wir drei Vertreter unter realen Bedingungen getestet.

Can-Am Traxter HD10
Schon auf den ersten Blick vermittelt der Can-Am Traxter ernsthafte Gelände-Ambitionen. Das kernig auftretende UTV ist ein bewährtes Konzept, dessen Design inzwischen einige Jahre auf dem Buckel hat. Dennoch wirkt der Traxter nach wie vor frisch und stimmig. Unser Testfahrzeug ist umfangreich mit Zubehör ausgestattet und wurde von der Quad- und ATV-Ranch in Eging angepasst. Gelände- und Tourentauglichkeit standen dabei ebenso im Lastenheft wie die Eignung für den Alltag.




Bei der Ausstattung zeigt sich allerdings ein Unterschied zu den beiden Mitbewerbern. ODES und TGB treten bereits serienmäßig mit einer Vollkabine an. Eine solche gibt es auch für den Can-Am – allerdings gegen Aufpreis. Unter der Traxter-Ladefläche arbeitet ein Rotax-V2 mit 976 cm³ und 82 PS. Damit liegt er auf dem Papier hinter dem ODES und auf Augenhöhe mit dem TGB. In der Praxis überzeugt der Motor jedoch mit spontaner Gasannahme, kräftigem Durchzug und viel Souveränität bei niedrigen und mittleren Drehzahlen.
Typisch Rotax
Im Gelände zeigt der Can-Am dann, weshalb er zu den etablierten Größen im UTV-Bereich gehört. Die Allradtechnik greift früh und zuverlässig, während die serienmäßige Bodenfreiheit von 33 Zentimetern eine großzügige Linienwahl ermöglicht. Mit den montierten Maxxis-Reifen und Aluminiumfelgen wächst die Bodenfreiheit unseres Testfahrzeugs sogar auf beachtliche 40 Zentimeter. Das Fahrwerk ist weich abgestimmt und bietet dadurch im Gelände viel Komfort. Auf der Straße führt das zu etwas mehr Wankbewegung. Trotzdem bleibt der Traxter auch bei flotter Kurvenfahrt stabil und gut berechenbar.

Sein Einsatzgebiet ist damit klar: Der Can-Am fühlt sich dort besonders wohl, wo es abseits befestigter Wege anspruchsvoll wird. Auch bei langen Einsätzen überzeugen die Sitze mit ausreichend Seitenhalt und Entlastung. Der Innenraum ist funktional und robust, wirkt allerdings vergleichsweise schlicht. Serienmäßiger Wetterschutz, LED-Beleuchtung oder umfangreiche Anzeigen sucht man vergebens.

Wer mehr Komfort möchte, muss ins Zubehörregal greifen – und das ist bei Can-Am traditionell kein günstiges Vergnügen. Bei Regen zeigt sich die offene Konstruktion ebenfalls von ihrer weniger komfortablen Seite. Trotz Scheibe gelangt an verschiedenen Stellen Wasser in den Innenraum, der Fahrer bleibt nicht trocken. Die Schutznetze bieten nur begrenzten Schutz, erleichtern dafür aber das schnelle Ein- und Aussteigen bei der Arbeit. Die Ladefläche ist praxisgerecht ausgelegt. Vier Zurrpunkte und ein stabiles Schutzgitter ermöglichen den sicheren Transport auch schwererer Lasten. Auch mit Beladung blieb der Kanadier gutmütig und beherrschbar. Eine weitere Stärke ist seine Zugleistung. Mit einer gebremsten Anhängelast von 1.134 kg bietet der Can-Am viel Spielraum für den Anhängerbetrieb. Die beiden Mitbewerber können hier nicht ganz mithalten. Allerdings ist der Anhängerbock recht kurz geraten. Das macht das Ankuppeln unnötig umständlich.
ODES Workcross 1000 – Preisbrecher mit Potenzial

Beim ODES Workcross 1000 fällt zunächst der eher unauffällige Auftritt auf. Unter der Haube steckt allerdings ordentlich Leistung: Mit 93 PS bietet der ODES das nominale Leistungsmaximum unseres Testfelds. Der Motor setzt Gasbefehle direkt und ohne spürbare Verzögerung um. Trotz der höheren Leistung wirkt er subjektiv einen Tick schwächer als das Triebwerk des Can-Am. Dafür überzeugt er mit Drehfreude und einer gut dosierbaren Gasannahme. Je nach Fahrstufe verändert sich der Charakter deutlich. In „L“ geht es spürbar sanfter zur Sache.

Im Gelände schlägt sich der Workcross solide. Bei sehr steilen Anstiegen kommt er allerdings früher an seine Grenzen. Auch das Allradsystem reagiert im Grenzbereich etwas hektischer. Hier wirkt der Can-Am souveräner. Das straffer abgestimmte Fahrwerk bietet im groben Gelände etwas weniger Komfort, spielt seine Stärken dafür auf befestigten Wegen aus. Dort liegt der ODES stabil und sicher. Seine eigentliche Stärke zeigt sich jedoch beim Thema Ausstattung.





Bereits serienmäßig verfügt der Workcross über eine Vollkabine, Heizung, Klimaanlage, Glasscheibe mit Wischer, Alufelgen und sogar Lautsprecher. Damit liefert ODES ab Werk ein nahezu komplettes Komfortpaket. Im Sommer kann sich die Kabine zwar schnell aufheizen, die Klimaanlage sorgt anschließend aber zuverlässig für angenehme Temperaturen. Bei der Bedienung gibt es dagegen Verbesserungspotenzial. Die Bedienelemente wirken teilweise etwas überladen. Der Blinkerschalter sitzt tief in der Mittelkonsole und ist fummelig zu bedienen. Dadurch besteht die Gefahr, dass der Blick beim Bedienen kurz von der Straße wandert. Auch das quer verbaute Display ist bei direkter Sonneneinstrahlung nicht optimal abzulesen. Die Smartphone-Verbindung funktioniert dagegen problemlos. Radio und Multimedia-Steuerung arbeiten ebenfalls zuverlässig.
Praxistauglich
Die Ladefläche bietet vier Zurrpunkte zur Sicherung der Fracht. Die Bordwand lässt sich von Hand abklappen und erleichtert damit das Be- und Entladen. Der ODES spielt seine Stärken damit vor allem im Alltag aus. Für rund 5.000 Euro weniger als der Can-Am in der Basisvariante erhält man ein UTV mit umfangreicher Serienausstattung und hohem Komfortniveau.

Wer nur moderate Offroad-Anforderungen hat und ein vielseitig einsetzbares Arbeitsfahrzeug sucht, bekommt damit ein interessantes Gesamtpaket. Abstriche muss man vor allem bei der Bedienung und im anspruchsvollen Gelände machen. Der chinesisch-bayerische Überraschungsangriff auf das Marktsegment ist damit durchaus gelungen.
TGB Landmax 1000 – Der smarte Allrounder
Der TGB Landmax 1000 präsentiert sich im Vergleich als ausgewogenes Konzept. 997 cm³ Hubraum, 83 PS und Allradantrieb bringen eine solide technische Basis für den Geländeeinsatz mit.An die Geländeeigenschaften des Can-Am reicht der Landmax allerdings nicht heran. Der Motor arbeitet zwar solide, wirkt beim Antritt aber träger als die Aggregate der Mitbewerber. Die verzögerte Gasannahme erschwert zudem das präzise Dosieren.

Ob das ausschließlich am Testfahrzeug liegt, bleibt offen. Ein Vorserienmodell aus dem vergangenen Jahr wirkte spürbar lebendiger. Im Gelände zeigt der TGB insgesamt ein gutmütiges Bild. Die Traktion stimmt, das Fahrwerk bügelt Unebenheiten ordentlich weg und auf Waldwegen, Schotter oder leichteren Steilstücken bleibt das Fahrverhalten kalkulierbar. Das Fahrwerk ist etwas straffer abgestimmt als beim Can-Am. Gleichzeitig gefällt es uns etwas besser als das des ODES.
Auf befestigten Wegen fühlen sich der TGB und der ODES etwas wohler als im groben Gelände. Bei langsamer Fahrt relativiert sich dieser Unterschied allerdings – etwa dann, wenn das UTV als Arbeitstier eingesetzt wird. Der Allradantrieb greift zuverlässig und ohne hektische Reaktionen ein. Das vermittelt Sicherheit, was gerade im betrieblichen Einsatz ein wichtiger Punkt sein kann. Schließlich müssen dort häufig Fahrerinnen und Fahrer mit unterschiedlichen Erfahrungsstufen mit dem Fahrzeug zurechtkommen.
Der Innenraum des Landmax punktet



Zur Serienausstattung gehören unter anderem elektrische Fensterheber und eine Glasscheibe mit Wischer. Das hochkant montierte Display bleibt auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar und ist praxisgerecht positioniert. Wie beim Workcross dient das mittig angeordnete Display als zentrale Informations- und Bedieneinheit. Motorentemperatur und weitere wichtige Fahrzeugdaten lassen sich dort abrufen. Apple CarPlay, Radio und weitere Komfortfunktionen gehören ebenfalls zur Serienausstattung. Auch die Seilwinde wird über das Display angesteuert. Einen separaten Schalter gibt es dafür nicht.

Die Ergonomie ist insgesamt gelungen. Die Bedienelemente sind übersichtlich angeordnet und das Lenkrad liegt gut in der Hand. Weniger gelungen ist allerdings die Mittelabdeckung des Lenkrads. Hier haben die beiden Mitbewerber optisch die bessere Lösung. Auf befestigten Wegen fährt sich der Landmax komfortabel und ausgewogen. Ob landwirtschaftlicher Alltag, Freizeitausflug oder Fahrt ins Jagdrevier: Der TGB erweist sich als vielseitiger Begleiter.
Fazit
Drei Fahrzeuge, drei Charaktere – und damit auch drei unterschiedliche Ansätze.
Der Can-Am Traxter spielt seine Stärken vor allem im Gelände aus. Seine robuste, bewährte Konstruktion und die ausgeprägte Geländegängigkeit prädestinieren ihn für harte Einsätze. Die eher magere Ausstattung der Basisversion fällt dagegen stärker ins Gewicht, sobald Komfort und Alltagstauglichkeit wichtiger werden.Der ODES Workcross setzt einen anderen Schwerpunkt. Umfangreiche Serienausstattung, Vollkabine, Heizung und Klimaanlage treffen auf einen vergleichsweise günstigen Preis. Damit richtet sich der ODES besonders an Anwender, die ein komfortables und alltagstaugliches UTV suchen. Im Gegenzug sind Abstriche bei der Bedienung und im anspruchsvollen Gelände einzukalkulieren. Der TGB Landmax positioniert sich dazwischen. Solide Leistung, gute Ausstattung und ein ausgewogenes Fahrverhalten machen ihn zu einem vielseitig einsetzbaren UTV für Arbeit, Freizeit und gemäßigte Geländeeinsätze.

Am Ende entscheidet damit weniger die Frage, welches UTV „das beste“ ist, sondern vor allem der geplante Einsatzzweck: Gelände, Komfort oder ein möglichst ausgewogenes Gesamtpaket.
- Text: Erik Pohl
- Fotos: Ralf Wilke, Erik Pohl, Rainer Petzold
- Hier geht’s zu TGB: https://www.tgb-germany.de/
- ODES: https://quadix.de/
- Can-Am: https://can-am.brp.com/off-road/de/de/

