Eine solide Basis

Ob vom Ladenlokal ans Startgatter oder erstmal in die Werkstatt als Basis für ein individuelles Wettbewerbsfahrzeug: die YFZ 450 R von Yamaha gilt serienmäßig als das Sport-Quad schlechthin. An den „Blauen“ kommt man derzeit auf dem Sport-Sektor kaum vorbei.

Wer auf der Suche nach einem Sport-Quad für den Einsatz auf Enduro- und/oder Motocross-Strecken sucht, landet fast zwangsläufig bei Yamaha. Die meisten Mitbewerber führen kein Quad mehr im Programm. Yamaha handhabt das anders. Die erste YFZ 450 mit Vergasermotor erschien bereits 2004 und die aktuelle 450 R mit Einspitzer geht unter anderem auch als Sonder-Edition in die 25er Saison. Die Japaner haben ein Händchen für Sport-Quads. Schon Blaster, Banshee und auch der Raoptor genießen Kultstatus in der Szene. Glaubt man dem Hersteller, so ist ein Ende der YFZ-Produktion nicht vorgesehen und die „Yfze“ folgt der Spur ihrer zweitaktenden Schwester Banshee, die 25 Jahre lang auf dem Markt erfolgreich war.

Pimp my Ride: Das serienmäßige Quad ist mit wenig Zubehör rennfertig.
Das macht die YFZ 450 aus

Die Idee, einen zuverlässigen und potenten Motor aus dem MX-Sport in ein Quad zu verpflanzen, ist nicht neu und entspricht dem Konzept einiger Hersteller und vor allem dem der Customizer. Im Falle der Yamaha stammt das Aggregat aus dem Motocross-Motorrad YZ 450 F, welches ebenso erfolgreich in den Wettkämpfen unterwegs ist. Es handelt sich um eine ältere Version des Motors, der allerdings stets an den Quad-Einsatz angepasst wurde. Der Fünfventiler verfügt über eine scharfe Nockenwellen und das Idle Spedd Control System in der Steuerungseinheit der Einspritzanlage. Das sichert eine verbessertes Startverhalten, eine optimierte Warmlaufphase sowie eine spontane Gasannahme. Das sorgt insgesamt für in hohes Drehmoment mit explosiver Beschleunigung. Im Rennsport sind Anti-Hopping-Kupplungen üblich. Die reduziert das Motorbremsmoment und ermöglicht in Verbindung mit dem leichtgängigen Fünfganggetriebe ultraschnelle Schaltvorgänge.

Yamaha bezeichnet das Fahrgestell als Hybrid-Chassis. Es dominiert der Leichtbau mit Stahl und viel Aluminium. Leichtbau auch an der Schwinge und an den Querlenkern. Diese Baugruppen sind jeweils mit einstellbaren Stoßdämpfern mit Ausgleichsbehälter ausgerüstet. Deren Setup ist werksseitig auf den Reifencharakter abgestimmt. Großartig für ein Rennfahrzeug sind die Schnellverschlüsse zur einfachen Demontage der Verkleidungsteile. Unser Testfahrzeug war komplett aufgerüstet mit originalem Zubehör aus dem hauseigenen GYTR Programm. Von den Nerf-Bars über die Bumper und die Auspuffanlage, ist alles beim Yamaha-Händler zu bekommen und auf die Yfze abgestimmt. Das spart dem ambitionierten Racer viel Fummelei und Einstellarbeit.

Ans Startgatter!
Mit viel Bewegungsfreiheit: Das schmale Layout macht die Maschine kontrollierbar.

So ausgerüstet, kann man sich schon in die Listen der Rennveranstalter eintragen. Natürlich birgt auch die 450er noch Potential für Tuning und individuelle Anpassungen. Aber die Basis ist schon sehr solide und vom Fließband aus schon renntauglich. Der Motor ist sehr drehfreudig und schaltet schnell durch die Gänge. Die Leistung ist für Hobby-Rennfahrer hervorragend. Auf der Rennstrecke ist man ruckzuck über den ersten und zweiten Gang in Fahrt gekommen. Kurze Geraden, die in überhöhte Kurven führen, lassen sich problemlos im vierten Gang bewältigen. Anbremsen, runterschalten – zack ans Gas – und Kurvenkombinationen werden zur spaßbringenden Einlage. Auf längeren Geraden fanden wir schnell in den Fünften, ohne dass die Leistung merklich nachlässt.

Das Handling der Maschine ist bemerkenswert leicht. Drifts und Sprünge macht das Dämpferpaket gut mit für ein Serien-Set-Up. Lediglich in den Waschbrettern und auf „zerbombten“ Strecken, wünschte man sich noch mehr Möglichkeiten zum Einstellen. Aus losem Untergrund, beispielsweise im Sand, wenn das Gewicht oft nach hinten gebracht werden muss, lernt man die schmale Konfiguration zu schätzen. Allerdings müssen Piloten ab zirka 1,80 Meter Körpergröße anfangen mit der lenker- und Sitzposition zu experimentieren bis es passt. Gegebenenfalls ins Zubehörregal greifen. Man kann aber den Lenker beispielsweise in der Serie schon mal bis zu 20 Millimeter nach vorne oder zehn nach hinten verschieben. Die serienmäßigen Fußrasten sind. sogenannte Race-Peg-Rasten. Breit und robust, mit aggressiven, gezackten Kronen für den exzellenten Kontakt des Stiefels. Seitlich erhöht, helfen sie beim aggresiven Kurvenfahren und bei der Kontrolle des Quads. Edel und auch aus dem Rennsport stammend, finden sich Wave-Bremsscheiben an den Kolben. Da ist kein Tuning-Produkt besser, denn die Eisen packen wie beim Ankerwurf, immer mit klar deffiniertem Druckpunkt. Das zahlt sich auch auf Enduro-Strecken aus, wo man öfters mal schnellstens zum Stehen kommen muss. Auch in derartigem Geläuf freut sich der Pilot über die enorme Bewegungsfreiheit. Insgesamt wirkt das Quad sehr ausgewogen.

Einsatzgebiet: MX-Track und Offroad-Pisten
So geht’s ins Rennen: Eine solide Basis für alle, die ein wettbewerbstaugliches Quad brauchen.

Die YFZ450R ist serienmäßig eine toller Racer, der sowohl auf der Rennstrecke als auch auf dem Trail eine gute Figur macht. Es gibt wohl keine andere 450er, die beides so gut kann. Das Quad ist auf seine Art sehr vielseitig – man kann ihm in den Wäldern oder auf der Rennstrecke Meisterschaften gewinnen. Mit den hier gezeigten Zubehörteilen ist unsere Test-Yfze im Amateur-Bereich sofort einsetzbar. Wer schon einen Schritt weiter ist, findet noch mehr Zubehör von Yamaha und zahllosen Tunern. Sein Geld könnte man als erstes in ein individuelles Fahrwerk Stecken. Der Motor hat noch lange Potential, sowohl für lokale Rennfahrer als auch für Top-Profis. Es ist vieles rund um diese legendäre 450er zu bekommen. Eben eine solide Basis.

Text: Ralf Wilke
Fotos: Raymon De Kruiff, Yamaha

Wie fährt sich die Yamaha YFZ 450 R auf der Rennstrecke?

Die YFZ 450 R überzeugt mit einem drehfreudigen Motor, präzisem Handling und einer starken Beschleunigung. Das serienmäßige Fahrwerk bietet bereits eine gute Performance für Drifts, Sprünge und schnelle Kurvenkombinationen. Auf Motocross-Strecken zeigt das Sport-Quad seine Rennsport-Gene besonders deutlich.

Für wen eignet sich die Yamaha YFZ 450 R?

Die Yamaha YFZ 450 R richtet sich vor allem an sportlich orientierte Fahrer, die ein leistungsstarkes Quad für Motocross-Strecken, Enduro-Touren oder den Rennsport suchen. Dank ihrer ausgewogenen Fahrwerksabstimmung ist sie sowohl für ambitionierte Hobbyfahrer als auch für erfahrene Racer geeignet.

Lässt sich die Yamaha YFZ 450 R individuell aufrüsten?

Ja, die Yamaha YFZ 450 R bietet großes Potenzial für Tuning und individuelle Anpassungen. Neben dem originalen GYTR-Zubehör stehen zahlreiche Fahrwerks-, Motor- und Performance-Upgrades zur Verfügung. Dadurch kann das Quad optimal an die Anforderungen von Freizeitfahrern oder Rennsportlern angepasst werden.

Herkules Grafik