Einfach besser fahren

Sport-Quads verfügen in der Regel über ausreichend Kraft und Motorleistung. Die Kunst ist, das auch auf den Boden zu bringen. Ein gutes Fahrwerk hilft Dir dabei.

Die haben schon was weg die Niederländer. Auf dem Gebiet der Fahrwerkstechnik macht denen so schnell keiner etwas vor. So stammen die meisten Stoßdämpfersysteme von den Oranjes, die sich von jeher mit brutalen Wellen auf weichem Sandboden rumplagen mussten und dies bis heute tun. Ein Spezialist in dem Bereich ist TFX aus Weert, etwa eine gute Autostunde von Aachen entfernt ansässig.

Chef Hans-Dieter Fischer hat schon so manches Quad auf Kurs gehalten mit seiner fortschrittlichen Technik. Im ATV-Bereich ist Jay Gröpl derzeit dank TFX auf Erfolgskurs, um nur einen Bekannten zu nennen. Etliche Moto-Cross-Fahrer sind es ebenfalls. Beim Hersteller E.-ATV ist man Erstausrüster. „Wir arbeiten stetig an der weiteren Entwicklung unserer Technologie, sie weiter voran zu bringen, darauf zu hören, was der Fahrer braucht.“ Hans-Dieter sieht dies als eine Säule seines Erfolges an, die allerdings einen großen Teil seiner Arbeit und der seines Partners Alex Meijs nimmt. Man legt viel Wert auf Beratung und darauf, ein wirklich individuelles Fahrwerk für den Kunden herzustellen. „Denn was nutzen teure und namhafte Dämpfer, wenn der Fahrer das Potential nicht ausschöpfen kann“, gibt Alex zu bedenken. Will meinen, dass einem Hobby-Fahrer mit den Einstellwerten eines Profis nicht gedient ist. Fahrstil, bevorzugter Komfort, die Strecke und letztlich die biometrischen Daten des Fahrers geben Aufschluss auf die Justierung. So sind die TFX-Spezialisten an fast jedem Wochenende an einer Rennstrecke zu finden.

Sinnvolles Tuning ist Maßarbeit

Wie eingangs erwähnt, ist das „Frisieren“ des Triebwerks eigentlich der letzte Schritt auf dem Weg zum individuellen Cross- oder Enduro-Quad. Leistung auf den Boden zu bringen und dort kontrollierbar zu halten ist mehr wert, als der dickste Auspuff. Daher haben wir unserer Test-Yamaha YFZ 450 eine Kur in Holland verordnet. Auf dem Weg dorthin stoppten wir bei Clemens Eicker, der neben seinen Quads auch hochwertiges Fahrwerkszubehör für andere Marken herstellt. Ein paar A-Arms mit etwa 15 Zentimetern mehr Breite auf jeder Seite und verstellbarer Spur uns Sturz sollen die bis dahin serienmäßige Japanerin vorne ruhiger liegen lassen.

Doch noch wichtiger ist nach der Lesart unserer Spezialisten das Heck. „Wenn das hoppelt und ‚tanzt‘, hältst Du vorne nix mehr ruhig“, weiß Hans-Dieter aus Erfahrung. Daher wanderte ein TFX-Dämpfer ins Heck, der voll einstellbar ist in Zug- und Druckstufe und justierbarer Dämferrate – dem Rebound. Damit der mit den vorderen Systemen kooperiert, wurden erstmal alle Dämfer ausgebaut, um den tatsächlich tiefsten Punkt der Yfze zu ermitteln. Daraus ergibt sich der nötige Federweg und dessen wichtige Reserven. „Wenn der Dämpfer durchschlagen würde – was ein guter niemals tut – muss noch genügend Luft unter dem Chassis bleiben.“ Dann wurden die Extremitäten des Quads frei gehängt, was die entsprechende Differenz und damit die optimale Länge der Dämpfer ergibt. Gut erkennbar auch für den Laien ist das an dem so genannten Negativfederweg. Hebt man das Quad z.B. hinten an, muss man zunächst ein Stück den Dämpefr entlasten, bevor man das Fahrzeug selbst liftet. Andersrum sinkt das Gefährt etwas ein, wenn der Fahrer aufsitzt.

Auf der Strecke

Für Hans-Dieter, Alex und Monteur Kevin heißt das erstmal viel viel messen mit Zollstock und Maßband. Aus hochwertigsten Materialien stellt TFX dann den Dämpfer her. Mit den Shims und Federn, die das gewünschte Fahrverhalten hervorrufen müssten, gemessen an Körpergröße und Gewicht des Besitzers. Testfahrer Luca ist 1,75 Meter groß und stabil gebaut. In Frankreich während des Offroad-Camps wurde zunächst – und das ist das absolute Muss für jeden, auch mit Serienfahrwerk – eine Grundeinstellung ermittelt. Diese soll in unserem Fall das fortgeschrittene MX-fahren auf Amateurniveau ermöglichen und gelegentliche Offroad-Touren / Enduros mit der zugelassenen Maschine ebenso. Klick für Klick tasten wir uns an die Basis heran. Ist diese gefunden, dreht man die Einstellschrauben jeweils nach rechts und links bis zum Anschlag. Wichtig ist: Klicks zählen und notieren. Entsprechen zurücj gestellt, gelange ich wieder zur Basis zurück. Ab jetzt wird es interessant, weil man nun für jede Strecke ein Setup finden kann.

Luca testet seine Basis und ist begeistert. Das Heck bricht selbst in Wellen nicht mehr aus. Mit den Gasstößen bringt er den Hintern weit zurück, entlastet die Vorderachse, die dank der Eicker-A-Arms und den TFX optimal arbeiten kann, die Löcher und Querrillen besser weg steckt. Dadurch schont man die Kondition erheblich, hat wesentlich mehr Kontrolle. „Insbesondere mit dem ‚Popometer‘ kann man besser reagieren“, analysiert Luca die Unterschiede zum Serienfahrwerk. Die Yamaha ist kaum wiederzuerkennen. Wie auf Schienen läuft das Quad dort, wo zuvor noch bockte. TFX hält den Sportler auch bei Schlägen von der Seite noch in der Spur. Deutlich weicher werden Schläge abgefedert und nur noch sehr wenig davon kommen am Lenker an Auf dem Endurokurs lauern Wurzeln und Felsen. Das nimmt das Fahrwerk gut auf und die Fuhre bleibt im Schritt- und auch im Renntempo kontrollierbar. Sichtbar wird das vor allem in der Verschränkung.

Noch mehr?

Auf unserer Webseite gehen wir nochmals tiefer auf die Thematik ein und liefern noch mehr Fotos und Tipps dazu. Doch den wichtigsten Tipp geben wir Euch jetzt schon mal mit: Wenn Fahrwerk, dann richtig. Richtig auswählen, richtig einstellen und richtige Maße ermitteln. Alles andere ist Humbug!

  • Text: Ralf Wilke
  • Fotos: Martin Zink, Ralf Wilke, TFX

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