Can-Am Outlander 6×6

Sechs angetriebene Räder, 101 PS und eine Ladefläche, die an ein Side-by-Side erinnert: Mit dem neuen Can-Am Outlander Max 6×6 BackCountry 1000R erweitert BRP seine Outlander-Baureihe um ein kompromissloses Arbeitsgerät.

Es gibt Fahrzeuge, bei denen schon der erste Blick genügt, um zu erkennen, dass sie für einen ganz bestimmten Zweck entwickelt wurden. Der Can-Am Outlander Max 6×6 BackCountry 1000R gehört genau in diese Kategorie.


Mit über drei Metern Gesamtlänge, einer zweiten Hinterachse und sechs großformatigen Offroad-Reifen wirkt der BackCountry eher wie ein kompakter Geräteträger als wie ein klassisches ATV. Die breite Ladefläche, der massive Frontschutzbügel und der umfangreiche Unterfahrschutz unterstreichen diesen Eindruck. Hier steht Funktion klar vor Design – auch wenn das Fahrzeug mit seiner bulligen Erscheinung durchaus Eindruck hinterlässt.

Can-Am positioniert den BackCountry bewusst nicht als Freizeit-Quad, sondern als Arbeitsmaschine für anspruchsvolle Einsätze. Förster, Landwirte, Jäger, Kommunen und Bauunternehmen gehören ebenso zur Zielgruppe wie Rettungsdienste oder Betreiber großer Gelände, die Material auch dort transportieren müssen, wo herkömmliche Fahrzeuge längst an ihre Grenzen stoßen.
Dass diese Ausrichtung nicht nur Marketing ist, zeigt bereits ein Blick auf die technischen Daten: Bis zu 454 Kilogramm Zuladung, 830 Kilogramm Anhängelast und ein kraftvoller Rotax-V2 mit 101 PS machen den BackCountry zu einem der leistungsstärksten Arbeits-ATVs auf dem europäischen Markt.

Härtetest in Spanien

Sein Potenzial sollte der neue 6×6 allerdings nicht auf einem Schotterparkplatz beweisen. Deshalb lud BRP internationale Fachjournalisten auf das Offroad-Gelände Les Comes nahe Barcelona ein. Das ehemalige Landgut zählt zu den bekanntesten Offroad-Zentren Europas und bietet ideale Bedingungen, um Geländefahrzeuge an ihre Grenzen zu bringen. Enge Waldpassagen wechseln sich mit steilen Felsauffahrten, tiefen Auswaschungen und weitläufigen Steinbrüchen ab. Lose Geröllfelder verlangen maximale Traktion, während Verschränkungen und schmale Passagen das Fahrwerk und die Lenkung auf die Probe stellen. Bessere Testbedingungen hätte man sich für ein Arbeits-ATV kaum wünschen können.

Bereits nach den ersten Metern wird deutlich, dass der BackCountry nicht darauf ausgelegt ist, spektakulär zu wirken. Stattdessen vermittelt er ein Gefühl von Souveränität. Hindernisse, die mit einem klassischen ATV sorgfältig geplant angefahren werden müssten, überfährt der Sechsradler mit bemerkenswerter Gelassenheit. Seine zusätzliche Hinterachse sorgt dafür, dass selbst auf stark unebenem Untergrund nahezu permanent genügend Räder Bodenkontakt behalten.
Dabei fällt vor allem auf, wie unaufgeregt der BackCountry arbeitet. Wo andere Fahrzeuge mit durchdrehenden Rädern oder hektischen Lenkbewegungen reagieren, bleibt der Can-Am berechenbar und gut kontrollierbar. Genau diese Gelassenheit macht ihn im professionellen Einsatz so interessant.

Der BackCountry ist kein Quad für den Wochenendausflug. Seine Stärken spielt er überall dort aus, wo schwere Lasten transportiert werden müssen und schwieriges Gelände zum Arbeitsalltag gehört – etwa im Forst, in der Landwirtschaft oder auf Baustellen.

Überraschend handlich – trotz über drei Metern Länge

Wer zum ersten Mal vor dem Outlander Max 6×6 BackCountry steht, erwartet ein schwerfälliges Arbeitsgerät. Mit seiner zweiten Hinterachse, der großen Ladefläche und einer Gesamtlänge von 3,23 Metern wirkt der Can-Am fast wie ein kompaktes Side-by-Side. Entsprechend groß ist die Überraschung, sobald man aufsteigt. Die Sitzposition entspricht nahezu der eines klassischen Outlanders. Lenker, Armaturen und Ergonomie wirken vertraut, der Fahrer sitzt angenehm aufrecht und hat die Fahrzeugfront jederzeit gut im Blick. Lediglich die lange Ladefläche hinter dem Rücken erinnert daran, dass hier deutlich mehr Fahrzeug folgt als bei einem herkömmlichen ATV.

Schon auf den ersten Metern fällt auf, wie harmonisch die dreistufige Dynamic Power Steering (DPS) arbeitet. Selbst im leichtesten Modus vermittelt sie ausreichend Rückmeldung, ohne den Fahrer bei langsamen Rangiermanövern unnötig zu fordern. Auf schnellen Schotterpassagen sorgt die straffere Abstimmung für ein sicheres Gefühl. Natürlich setzt die Physik Grenzen. Der Wendekreis fällt aufgrund der zweiten Hinterachse deutlich größer aus als bei einem klassischen ATV. Enge Spitzkehren oder dicht bewachsene Waldwege verlangen etwas mehr Planung. Nach kurzer Eingewöhnung verliert dieser Umstand jedoch an Bedeutung – vor allem, weil der BackCountry in nahezu allen anderen Fahrsituationen erstaunlich unkompliziert wirkt.


Der Rotax-V2: Kraft im Überfluss

Unter der Verkleidung arbeitet der bekannte 999 cm³ große Rotax-V2, der im BackCountry 101 PS und 94 Nm Drehmoment entwickelt. Diese Werte klingen auf dem Papier beeindruckend – im Gelände wirken sie noch eindrucksvoller. Bereits knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl schiebt der Zweizylinder kräftig an. Das pDrive-CVT spricht sauber an und setzt die Leistung angenehm dosierbar um. Gerade im Arbeitseinsatz ist diese feinfühlige Gasannahme wichtiger als eine spektakuläre Beschleunigung.
Auf den langen Schotterwegen von Les Comes genügt ein kurzer Zug am Gashebel und der BackCountry beschleunigt erstaunlich souverän. Trotz seines hohen Gewichts wirkt der Motor nie angestrengt. Überholmanöver oder steile Auffahrten absolviert der Rotax mit beeindruckender Gelassenheit.

Noch überzeugender zeigt sich der Motor jedoch dort, wo Arbeitsfahrzeuge tatsächlich gefordert werden: beim langsamen Klettern über Felsen, in tiefen Auswaschungen oder an steilen Hängen. Hier liefert der Zweizylinder genau das, was man sich von einem professionellen Arbeits-ATV wünscht – jederzeit ausreichend Drehmoment und eine hervorragend dosierbare Leistungsentfaltung.
Dabei arbeitet das pDrive-CVT angenehm unauffällig. Lastwechsel oder Ruckeln bleiben weitgehend aus. Besonders im Work-Modus reagiert das Antriebssystem sanfter und ermöglicht präzises Rangieren oder kontrolliertes Anfahren mit schwerer Beladung. Wer sportlicher unterwegs sein möchte, aktiviert den Sport-Modus, der die Gasannahme spürbar direkter gestaltet. Im Test erwies sich jedoch der Normalmodus als bester Kompromiss für die meisten Geländepassagen.


Sechs Räder, die den Unterschied machen

Der eigentliche Star des BackCountry ist jedoch nicht der Motor, sondern das Antriebskonzept. Can-Am kombiniert den permanenten Hinterradantrieb mit einer zuschaltbaren Vorderachse und dem neuen Visco-4Lok-System. Im normalen Fahrbetrieb bleibt die Vorderachse geöffnet, was das Einlenkverhalten verbessert und Lenkkräfte reduziert. Erst wenn die Situation es erfordert, lässt sich die Differenzialsperre aktivieren. Auf den felsigen Auffahrten von Les Comes zeigte sich schnell, welchen Unterschied dieses System macht. Während klassische ATVs bei starker Verschränkung häufig ein Rad entlasten und kurzzeitig Traktion verlieren, bleiben beim BackCountry nahezu immer genügend Räder am Boden. Die zusätzliche Hinterachse verteilt die Last gleichmäßiger und sorgt dafür, dass der Vortrieb selbst auf losem Untergrund kaum abreißt.

Besonders beeindruckend war eine Passage durch einen ehemaligen Steinbruch. Große Felsbrocken zwangen das Fahrwerk zu maximaler Verschränkung, gleichzeitig wechselte der Untergrund ständig zwischen losem Geröll und festem Fels. Genau hier spielte das Fahrzeug seine größten Stärken aus. Wo man bei einem herkömmlichen ATV die Ideallinie suchen müsste, fährt der BackCountry erstaunlich gelassen weiter. Nicht spektakulär – sondern kontrolliert.
Diese Gelassenheit zieht sich durch den gesamten Fahreindruck. Das Fahrzeug vermittelt nie den Eindruck, an seine Grenzen zu kommen. Stattdessen arbeitet es Hindernisse beinahe stoisch ab – ein Charakterzug, der vor allem im professionellen Einsatz Vertrauen schafft.


Fahrwerk: Komfort trotz hoher Nutzlast

Dass der BackCountry trotz seiner enormen Tragfähigkeit nicht holprig wirkt, ist vor allem dem Fahrwerk zu verdanken. Can-Am verbaut vorne und hinten SHOWA-Gasdruckstoßdämpfer, die spürbar komfortabler arbeiten als man es von einem klassischen Arbeitsfahrzeug erwarten würde. Selbst schnelle Schotterpassagen steckt das Fahrwerk souverän weg. Tiefe Schlaglöcher oder quer verlaufende Auswaschungen werden sauber absorbiert, ohne dass das Fahrzeug nachschwingt.
Hinzu kommt der lange Radstand. Was auf engen Wegen zunächst wie ein Nachteil erscheint, entwickelt sich auf unebenem Terrain zu einer echten Stärke. Der BackCountry bleibt ausgesprochen ruhig und vermittelt selbst in stark ausgefahrenen Passagen ein hohes Maß an Stabilität.

Auch an steilen Abfahrten hinterlässt das Fahrwerk einen überzeugenden Eindruck. Unterstützt wird der Fahrer dabei von der intelligenten Motorbremse iEB (Intelligent Engine Braking). Sie hält das Fahrzeug zuverlässig auf Geschwindigkeit, ohne dass ständig über die Bremsen korrigiert werden muss. Gerade auf losem Untergrund erhöht das die Kontrolle deutlich.


Arbeiten statt posieren

Je länger man mit dem BackCountry unterwegs ist, desto deutlicher wird seine eigentliche Philosophie. Dieses ATV möchte niemanden mit spektakulären Drifts oder Höchstgeschwindigkeiten beeindrucken. Sein Ziel ist es, schwere Arbeit möglichst einfach zu machen.
Diese Auslegung spürt man in nahezu jeder Situation. Das Fahrzeug wirkt nie nervös oder hektisch. Es fordert den Fahrer nicht heraus, sondern unterstützt ihn. Genau deshalb entsteht nach kurzer Zeit ein ungewöhnliches Vertrauen in die Fähigkeiten des 6×6.

Selbst Passagen, die man mit einem herkömmlichen ATV möglicherweise zweimal ansehen würde, fährt man mit dem BackCountry erstaunlich entspannt an. Nicht, weil man leichtsinnig wird – sondern weil das Fahrzeug jederzeit berechenbar bleibt.

QUADWELT-Einschätzung

Der größte Unterschied zu einem klassischen ATV ist nicht die zusätzliche Achse – sondern das Sicherheitsgefühl. Der BackCountry vermittelt seinem Fahrer selbst in schwierigem Gelände eine enorme Souveränität. Genau das macht ihn für professionelle Anwender so interessant.

Der große Wendekreis ist im dichten Wald oder auf engen Baustellen spürbar. Zudem bringt das Fahrzeug deutlich mehr Gewicht mit als ein klassisches ATV. Wer häufig allein verladen oder transportieren muss, benötigt einen entsprechend dimensionierten Anhänger und ein geeignetes Zugfahrzeug. Auch der Preis dürfte manchen Interessenten abschrecken. Der BackCountry spielt in einer Liga, in der bereits erste Side-by-Side-Fahrzeuge erhältlich sind. Wer die hohe Nutzlast und die Geländeeigenschaften jedoch regelmäßig benötigt, wird den Mehrpreis schnell einordnen können.

Nach den ersten Fahrstunden bleibt vor allem ein Eindruck: Der Can-Am Outlander Max 6×6 BackCountry 1000R ist kein ATV mit einer zusätzlichen Achse, sondern ein konsequent entwickeltes Arbeitsfahrzeug. Seine enorme Traktion, das harmonische Fahrverhalten und der kraftvolle Rotax-Motor machen ihn zu einem Spezialisten für Aufgaben, bei denen klassische Quads an ihre Grenzen stoßen.

  • Text: Ralf Wilke
  • Fotos: can-Am
  • Mehr Infos: Bei Can-Am
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