
Wer heute ein Kinderquad kaufen möchte, steht schnell vor einer schwierigen Entscheidung. Die etablierten japanischen Marken gelten zwar nach wie vor als Referenz, doch gerade im Jugendsegment drängen immer mehr Hersteller mit modernen und überraschend hochwertig ausgestatteten Fahrzeugen auf den Markt. Einer davon ist CFMOTO. Die Chinesen haben in den vergangenen Jahren mächtig aufgeholt und mischen inzwischen nicht nur bei großen ATV- und Motorradmodellen kräftig mit, sondern wollen nun auch den Nachwuchs früh an die Marke binden. Genau dafür wurde die neue CFMOTO CFORCE 110 entwickelt.
Ein Kinderquad also, das mehr sein möchte als nur ein buntes Spielzeug mit Motor. Aber funktioniert dieses Konzept auch in der Praxis?
Überraschend erwachsener Auftritt
Schon beim ersten Kontakt fällt auf: Die kleine CFORCE 110 sieht keineswegs wie ein billiges Einstiegsfahrzeug aus. Im Gegenteil. Die Linienführung orientiert sich stark an den großen CFMOTO-Modellen, inklusive aggressiver Front, moderner LED-Lichtsignatur und robust wirkender Kunststoffverkleidung. Besonders in den kräftigen Farbkombinationen wirkt der Mini-Quad erstaunlich hochwertig.
Mit knapp 1,48 Metern Länge bleibt die CFORCE 110 kompakt genug für junge Fahrer, vermittelt aber dennoch das Gefühl eines „echten“ ATV. Genau das dürfte vielen Kindern gefallen. Schließlich möchte niemand auf einem Fahrzeug sitzen, das offensichtlich nur ein Spielzeug ist.
Auch ergonomisch hat sich CFMOTO Gedanken gemacht. Die Sitzhöhe fällt angenehm niedrig aus, die Bedienelemente sind gut erreichbar und der breite Lenker vermittelt sofort Vertrauen. Laut Hersteller richtet sich das Fahrzeug an Kinder ab etwa zehn Jahren. Je nach Körpergröße und Fahrerfahrung dürften aber auch etwas jüngere Piloten zurechtkommen – natürlich immer unter Aufsicht der Eltern.
Technik statt Spielzeug
Unter der Verkleidung arbeitet ein moderner 110-Kubik-Viertaktmotor mit elektronischer Einspritzung. Das klingt zunächst unspektakulär, ist in dieser Klasse aber durchaus bemerkenswert. Viele günstige Kinderquads setzen noch immer auf einfache Vergasertechnik.
Die Einspritzanlage sorgt dafür, dass der kleine Einzylinder sauber anspringt und gleichmäßig läuft. Gerade für junge Fahrer ist das wichtig, denn ein ruckeliger oder schlecht abgestimmter Motor kann schnell Unsicherheit erzeugen. Der Elektrostart funktioniert zuverlässig, die Kraftübertragung erfolgt über ein halbautomatisches System mit Vorwärts-, Neutral- und Rückwärtsgang.
Die Leistung liegt bei rund sechs PS – auf dem Papier nicht viel, in der Praxis aber völlig ausreichend. Schließlich geht es hier nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern um kontrollierbaren Fahrspaß und das Erlernen grundlegender Offroad-Techniken.
Interessant: Die CFORCE 110 besitzt bereits eine Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern vorne. Das kennt man normalerweise eher aus höheren Fahrzeugklassen. Zusammen mit den hydraulischen Scheibenbremsen rundum hebt sich der kleine CFMOTO technisch deutlich von vielen einfachen Konkurrenzmodellen ab.
Sicherheit hat Priorität
Besonders spannend wird es beim Thema Sicherheit. Denn genau hier möchten viele Eltern keine Kompromisse eingehen.
CFMOTO stattet die CFORCE 110 serienmäßig mit mehreren Sicherheitsfunktionen aus. Dazu gehört unter anderem eine einstellbare Geschwindigkeitsbegrenzung. Eltern können also festlegen, wie schnell der Nachwuchs maximal fahren darf. Zusätzlich gibt es eine magnetische Sicherheitsleine: Trennt sich der Fahrer vom Fahrzeug, wird der Motor sofort abgeschaltet.
Ein weiteres Highlight ist die Smartphone-Anbindung. Über die CFMOTO-App lassen sich Fahrzeugdaten überwachen und teilweise sogar Sicherheitsbereiche definieren. Verlässt das Fahrzeug diesen Bereich, erhalten die Eltern eine Benachrichtigung. Gerade bei größeren Grundstücken oder Offroad-Parks kann das durchaus beruhigend sein.
Natürlich ersetzt Technik niemals die Aufsicht durch Erwachsene. Dennoch zeigt CFMOTO damit, dass man das Thema ernst nimmt.
So fährt sich die kleine CFORCE
Und wie schlägt sich das Kinderquad nun im Gelände?
Überraschend gut. Der Motor liefert seine Leistung weich und gut kontrollierbar ab. Gerade Anfänger profitieren davon, weil die Kraft nicht plötzlich einsetzt. Die Gasannahme fällt angenehm sanft aus und vermittelt schnell Vertrauen.
Das Fahrwerk überrascht ebenfalls. Kleine Unebenheiten steckt die CFORCE 110 ordentlich weg, ohne den Fahrer ständig durchzuschütteln. Natürlich darf man keine Wunder erwarten – dafür fehlen schlicht Federweg und Fahrzeuggröße –, doch im direkten Vergleich mit vielen günstigen Jugendquads wirkt die kleine CFMOTO erstaunlich souverän.
Auch die Bremsen verdienen Lob. Während manche Jugend-ATVs eher schwammige Verzögerung bieten, packen die hydraulischen Scheibenbremsen der CFORCE 110 angenehm direkt zu.
Im engen Gelände zeigt sich zudem die kompakte Bauweise als Vorteil. Das Fahrzeug lässt sich leicht dirigieren und vermittelt jungen Fahrern schnell Erfolgserlebnisse.

Nicht alles perfekt
Natürlich ist auch die CFORCE 110 nicht frei von Kritik.
Wie bei vielen kleinen ATV-Modellen könnte die Kraftentfaltung im unteren Drehzahlbereich etwas kräftiger ausfallen. Einige Fahrer würden sich insbesondere an Steigungen etwas mehr Drehmoment wünschen.
Hinzu kommt das klassische Vorurteil gegenüber chinesischen Fahrzeugen. Tatsächlich wird CFMOTO in Europa noch immer kritisch beäugt. Allerdings zeigt sich zunehmend, dass die Marke qualitativ deutlich aufgeholt hat. Viele Besitzer loben inzwischen insbesondere das gute Preis-Leistungs-Verhältnis.
Entscheidend bleibt letztlich die Wartung. Gerade Kinderquads werden oft hart rangenommen, selten warmgefahren und nicht immer pfleglich behandelt. Wer regelmäßige Pflege ernst nimmt, dürfte lange Freude an der kleinen CFORCE haben.
Fazit
Mit der CFORCE 110 liefert CFMOTO ein erstaunlich ausgereiftes Kinderquad ab. Das Fahrzeug kombiniert moderne Technik, hohe Sicherheitsstandards und eine überraschend hochwertige Ausstattung mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.
Besonders gelungen sind das stabile Fahrwerk, die kräftigen Bremsen und die durchdachten Sicherheitsfeatures. Gleichzeitig vermittelt die kleine CFORCE echten ATV-Charakter und wirkt nicht wie ein billiges Spielzeug.
Natürlich bleibt die Frage nach der Langzeitqualität bestehen – gerade im Vergleich zu japanischen Premiumherstellern. Doch eines steht fest: CFMOTO ist längst mehr als nur ein günstiger Außenseiter. Die Marke entwickelt sich zunehmend zu einer ernstzunehmenden Alternative.
Für junge Offroad-Einsteiger bietet die CFORCE 110 jedenfalls einen gelungenen Einstieg in die Welt der Quads – mit erstaunlich viel Fahrspaß für kleine Abenteurer.
- Test: CFMOTO CFORCE 110
- Text und Fotos: Ralf Wilke




















